Vortrag über Wildnis führt zu angeregten Diskussionen
Wildnis ist ein Thema voller Widersprüche und Potenzial; Paradies und Sehnsuchtsort für die einen, Brachland und Vergandung für die anderen. Ausgehend von der Definition von Wildnis als Räume ohne nennenswerte Infrastruktur, in welchen sich die Natur frei entwickeln kann, hat Sebastian Moos, Projektleiter bei Pro Natura Zug, das Thema in der Schweiz und spezifisch für den Kanton Zug während eines Vortrags am 12. November im Siehbachsaal in Zug aufgedröselt.
Zehn Jahre Wildnis-Erfahrung
Es kamen rund 25 Interessierte an den Vortrag. Sie diskutierten im Anschluss angeregt darüber, ob es Wildnis überhaupt noch gäbe und wie Menschen wieder mehr für Natur begeistert werden könnten. Sebastian Moos konnte für seinen Vortrag auf rund zehn Jahre Erfahrung im Bereich Wildnis aufbauen. Er war von 2016 bis 2023 Projektleiter bei der kleinen Alpenschutzorganisation Mountain Wilderness Schweiz zum Thema und koordiniert noch heute nebenberuflich das Forum Wildnis Schweiz.
Noch rund 17 Prozent der Schweiz können als wild gelten
Eine Studie, welche Mountain Wilderness Schweiz 2019 zusammen mit der Eidg. Forschungsanstalt WSL publiziert hat, verortet in der Schweiz noch auf rund 17 Prozent der Landesfläche eine hohe Wildnisqualität. Diese Räume sind naturnah, wenig verbaut und abgelegen. Im mitteleuropäischen Vergleich ist das viel! Die Herausforderung in der Schweiz ist, dass ein Grossteil dieser Wildnisräume im Hochgebirge liegt, wo Eis und Fels dominieren. Wir brauchen jedoch unbedingt auch Wildnis im Mittelland und in den Voralpen, da, wo die Menschen leben. Pro Natura hat daher die Studie von Mountain Wilderness Schweiz vor ein paar Jahren weiterentwickelt. Dies erlaubt es, kleine Wildnisräume auch im Mittelland auszumachen.
Zug hat noch gewisse wilde Ecken
Ein Blick auf den Kanton Zug zeigt, dass dieser unter anderem beim Rüssspitz, am Höhronen oder am Rossberg noch Flächen hat, welche gewisse Wildniskriterien erfüllen. Diese können von Grösse und Qualität her nicht mit den grössten Wildnisräumen der Schweiz wie dem Aletschgletscher mithalten, erfüllen im Kanton Zug jedoch eine wichtige Funktion als Ausgleich zum dicht besiedelten Raum.